By |2020-06-17T16:51:35+02:00January 2020|Tags: |

Malt – Der Freelancer-Marktplatz der Zukunft? CEO & Gründer Vincent Huguet im Interview

Wie der B2B Marktplatz Malt die Beschaffung von freiberuflichen Experten revolutionieren möchte.

Der in Frankreich gegründete Freelancer-Marktplatz Malt hat seit 2013 bereits 160.000 Freelancer und 90.000 Unternehmen auf seiner Plattform versammelt und damit die größe Freelancer Community in Europa geschaffen. Seit 2019 ist Malt nun auch in Deutschland vertreten, um auf dem deutschen Freelancer-Markt die Zukunft der Arbeit mitzugestalten. 

Im Interview erklärt CEO & Gründer Vincent Huguet die Details der Plattform.

Wie funktioniert Malt und wie unterscheidet sich die Plattform von seinen Mitbewerbern? 

Malt ist ein Online-Marktplatz, der Freelancer im Digitalbereich mit Unternehmen jeder Größe direkt zusammen bringt. Als B2B Marktplatz ermöglichen wir die end-to-end Digitalisierung der gesamten Prozesse und sind damit für Freelancer und Unternehmen gleichermaßen attraktiv. Durch digitale Verträge, eine automatisierte Zahlungsabwicklung, vereinfachte Administration oder auch einer Berufshaftpflicht für Freelancer sparen wir auf beiden Seiten Zeit. 

Der wichtigste Punkt ist für uns dabei der direkte Ansatz. Unternehmen und Freelancer gehen auf Malt ein direktes Vertragsverhältnis ein – ohne Agentur oder Broker. 

Durch dieses Modell glauben wir, dass Freelancer selbstbestimmter arbeiten können und die Abhängigkeit von einzelnen Agenturen abnimmt. Im Kern sind wir ein skalierbares Technologieunternehmen und der Überzeugung, dass durch Technologie Freelancer und Unternehmen zielgerichteter, schneller und sicherer zusammenarbeiten können.

Unser Matching System läuft außerdem anders als auf etablierten Projektbörsen. Auf Malt präsentiert sich der Freelancer mit einem aussagekräftigen Profil und die Unternehmen suchen anhand der Profile nach dem für sie passenden Experten. Diesen Suchprozess halten wir für beide Seiten für zielgerichteter. Abgerundet wird die Zusammenarbeit durch ein transparentes Bewertungssystem, das die Qualität auf der Plattform hoch hält. 

Digitale Verträge. Für Deutschland ja ein gewagter Schritt. Wie darf man sich das genau vorstellen?  

Bei Malt sind verschiedene Vertragsmodelle z.B. in Form von Werkverträgen oder Dienstverträgen, mit verschiedensten Projektlaufzeiten, von einem Tag bis hin zu vielen Monaten, möglich. Dabei schränken wir weder die Freelancer, noch die Unternehmen ein, sondern machen das möglich, was Freelancer möchten und Unternehmen brauchen.

Malt tritt dabei nicht als Vermittler auf. Das Unternehmen kann auf der Plattform bis zu 6 Freelancer mit einer Anfrage kontaktieren und erhält im Anschluss ein Angebot der Freelancer, aus denen das Unternehmen das Beste auswählen kann. Dieser Prozess läuft komplett digital ab. Zusätzlich können Unternehmen ihre AGBs, Geheimhaltungsvereinbarungen und Musterverträge auf der Plattform hinterlegen. Freelancer-Dokumente wie Steuernummer, USt-ID, sowie ein aktueller Auszug aus dem Handelsregister werden bei der Anmeldung automatisch von uns überprüft. Selbst die Bezahlung wird treuhänderisch von uns verwahrt, sodass das Unternehmen Sicherheit hat und der Freelancer rechtzeitig bezahlt werden kann. 

Wie geht ihre Plattform mit dem Thema Scheinselbständigkeit um, dass ja für Unternehmen wie Freelancer ein zentrales Thema ist? 

Das ist ein wichtiges Thema und eines der Merkmale, das uns vom Wettbewerb unterscheidet. Zunächst einmal arbeiten Freelancer bei uns direkt mit Unternehmen, weshalb es das Problem mit der unerlaubten Arbeitnehmerüberlassung, welches viele Agenturen und ihre Kunden haben, zum Beispiel gar nicht gibt.

Und dann gibt es noch unsere Technologie, die die Zusammenarbeit sicherer macht. Lassen Sie mich dazu kurz ausholen: Viele große Unternehmen tappen heute, was den Einsatz von Freelancern im Unternehmen betrifft im Dunkeln. Weniger Dienstleister zu haben, reduziert zwar den Wildwuchs bei Verträgen, löst das Problem mit der Scheinselbstständigkeit aber auch nicht. Denn die Abteilungen nutzt ihre Budgets, um Themen möglichst schnell voranzutreiben und setzen entsprechend Freelancer ein. Dabei bleibt die übergeordnete Transparenz gern auf der Strecke. Die ist aber gerade wichtig, um Themen wie die Dauer im Unternehmen, Projektumfang oder Standort des Freelancers im Blick zu behalten und das Risiko der Scheinselbstständigkeit aktiv steuern zu können. Und eine Lösung genau dafür gibt es bei uns: Eine einfache Lösung für den Anwender, häufig die Fachabteilungen. Unser Marktplatz bietet volle Transparenz für diejenigen, häufig Einkäufer, die die Zügel zusammenhalten müssen. Wir nennen diese Lösung Malt Insights. Durch dieses Freelance Management System wird es Einkäufern und Entscheidern ganz einfach gemacht, die Aktivitäten zentral zu überwachen und, wo nötig, mit den Fachabteilungen Lösungen zu implementieren. Und genau aus diesem Grund bekommen wir nun immer mehr Anfragen von Großkonzernen, die Ihre Freelancer europaweit in dieser Lösung bündeln möchten.

Damit grenzen sie sich sehr deutlich vom klassischen Agenturgeschäft ab, wo ein Vermittler die Freelancer an die Endkunden vermittelt. Warum glauben Sie, dass ihr Modell langfristig das Bessere ist?

Momentan lässt sich ein starker Trend in Richtung B2B Marktplätze beobachten. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des digitalen Wandels und werden auch für große Unternehmen immer interessanter. Einkäufer finden auf B2B-Marktplätzen eine große Anbieterauswahl und profitieren von einer besseren Kostenkontrolle z.B. durch die Möglichkeit, transparent Preise zu vergleichen und Aufträge zentral über die Plattform zu steuern. Die Abrechnung und Zahlugsabwicklung mit dem Anbieter ist je nach Marktplatz sogar Teil des Service. 

Dadurch können B2B Marktplätze z.B. dabei helfen Einkaufsteams von transaktionalen Tätigkeiten zu befreien und auf innovative Themen zu fokussieren. Gerade im indirekten Einkauf sind die Möglichkeiten zur Kosteneinsparung weiterhin hoch und Effizienz wird immer wichtiger. B2B Marktplätze wie Malt bieten dafür ein enormes Potenzial.

Gleichzeitig lässt sich mit dem Aufkommen digitaler Lösungen auch eine Abkehr vom klassischen Agenturgeschäft beobachten. Das Agenturmodell ist ja sehr intransparent und mit hohen Strukturkosten verbunden. Wir glauben daran, dass ein offener, transparenter Ansatz für beide Seiten, gekoppelt mit starker Digitalisierung, die Zukunft ist. Durch unseren digitalen Marktplatz vermeiden wir hohe Strukturkosten und können jedes Unternehmen mit den besten Freelancern zusammenbringen. Deshalb sind wir überzeugt davon, dass es für klassische Agenturen immer schwieriger wird, den Mehrwert zu liefern, der nötig wäre, um den Aufpreis zu rechtfertigen. 

Sie sind ja bereits in Frankreich und Spanien vertreten. Welches Potenzial sehen Sie im deutschen Markt und wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Der Arbeitsmarkt in Deutschland – wie auch in Frankreich – ändert sich gerade rasant. Gerade Tech-Talente sind äußert knapp und der Arbeitsmarkt in diesem Bereit weiterhin angespannt. 

In Frankreich haben wir festgestellt, dass große Unternehmen sehr gerne mit externen Experten zusammenarbeiten, einerseits um Themen schnell voranzutreiben, andererseits um Expertise ins Unternehmen zu holen, aber auch immer häufiger um die digitale Transformation und die Veränderung in den damit einhergehenden Arbeitsweisen zu schaffen. Dafür sind Freelancer im Digitalbereich, die das agile Arbeiten ja Tat für Tag leben, prädestiniert.

Das Potenzial liegt aber nicht nur auf Seite der Unternehmen. Ca. 90% der Freelancer aus dem IT- und Digitalbereich arbeiten gerne als Freelancer und sind diesen Weg bewusst gegangen. Die Zahl der Freelancer nimmt außerdem stetig zu. Immer mehr entscheiden sich für eine Karriere als Freelancer. Mit dem lokalen Ansatz und unserem starken Engagement für die Freelancer Community ist Malt ein Tool für Freelancer und Unternehmen zugleich. Das sorgt für Zufriedenheit und Qualität auf beiden Seiten. 

Wir arbeiten in einem Markt der 300 Milliarden Euro groß ist, stetig wächst und sich sukzessive transformiert. Mit der letzten Finanzierung in Höhe von 32 Millionen Euro können wir in Deutschland schnell weiter expandieren und wollen langfristig nicht nur die führende Freelancer Plattform werden, sondern auch die Zukunft der Arbeit mitgestalten. 

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